Der Flugzeugabsturz von Flug 4U 9525 ist tragisch und etwas, das man niemanden wünscht. Die Reaktionen von Germanwings und Lufthansa zeigen aber, dass man auf solch ein Ereignis vorbereitet war.

Zunächst waren die Medien schneller als die Unternehmen. Das ist aber klar, intern werden diverse Checklisten durchgearbeitet und Pläne ausgelöst. Man will natürlich vermeiden, etwas zu bestätigen, was sich später als unwahr herausstellt. Außerdem hat der Vorfall selbst Priorität vor allem anderen, also auch vor der Information der Öffentlichkeit.

Mit der Bestätigung des Unglücks, waren sowohl die Websiten mit einer Vorschalte gestaltet, als auch die Auftritte in sozialen Medien in schwarz-weiß gefärbt.

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gw-web lh-fb lh-webAuf der Website der Lufthansa gibt es im Kopfbereich immer eine Bilderreihe, meist mit Tipps für Reiseziele. Dass diese Art Werbung nach einem Flugzeugunglück nicht angebracht ist, ist klar und so wurde diese Tipps durch andere ersetzt. Am Tag des Unglücks warb man mit flexibler Umbuchung für “spontane Menschen”, einen Tag danach mit “Mehr Platz. Mehr Service. Mehr als zufrieden.”

Ebenso waren nahezu sofort kostenfreie Rufnummern verschiedener Stellen verfügbar.

Auch der Flughafen Düsseldorf hat mit einem eigenen, abgetrennten Bereich für die Angehörigen und Sichtschutzwänden im Zugangsbereich viel richtig gemacht. Auch hier gibt es eine weniger farbenfrohe Website, derzeit in einer abgespeckten Version. Vermutlich um den vielen Zugriffen stand zuhalten. Allerdings mit veralteten Informationen zum Unglück.

Diese Maßnahmen zeigen, dass in den Unternehmen ein entsprechender Desasterplan vorhanden war und funktionierte, denn nur so ist diese bislang angemessene Kommunikation möglich.

Auch wenn man immer wünscht, dass das Risikomanagement gerade in solchen Bereichen nie zur notwendigen Anwendung kommen muss, es ist gut es zu haben und klar zu kommunizieren. Gerade beim noch immer verschollenen Flug MH370 zeigte sich in der Wut der Angehörigen, dass gerade die Ungewissheit etwas Unerträgliches sein muss.

Da verstehe ich es nicht, warum da diverse Medien und vorgebliche Nachrichtensender wie n-tv und n24 Spekulationen aufstellen anstatt die Informationen zu verbreiten, die gesichert sind. Diese Spekulationen bringen niemanden etwas, außer dem Sender, der zuerst richtig geraten hat und dann wir im Kindergarten “Erster!” rufen kann.

Wenn man Wert auf ausführliche Informationen zu Luftfahrtvorkommnissen haben möchte, ist die Internetseite avherald.com empfehlenswert.

 

Wie der WLAN-Störerhaftungsgesetzentwurf AVM nützen kann

Von Mainboarder am 17.03.2015 veröffentlicht
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Der viel diskutierte Störerhaftungsgesetzentwurf birgt, vermutlich in Verbindung mit der CeBIT, für den FRITZ!Box Hersteller AVM eine Chance. An den Twitteraccount des Unternehmens werden derzeit vielfach Wünsche für eine Freifunk-Unterstützung herangetragen. Noch muss der Support jedoch beschwichtigen und die Erwartungen dämpfen, da über eine Entwicklung dieser Funktion nicht entschieden ist.

Allerdings wäre es natürlich eine günstige Werbekampagne, wenn wieder ein merkwürdiger Gesetzentwurf betreffs Störerhaftung veröffentlicht oder gar umgesetzt wird und AVM just in dem Moment ein neues FRITZ!OS mit entsprechender Freifunk-Funktion an seine Kunden verteilt.

Da die FRITZ!Box in Deutschland ca. 68% Marktanteil hat, wäre eine Unterstützung für das Projekt Freifunk sicherlich eine Herausforderung aber auch ein Riesenschritt nach vorn.

Freifunk bietet einen öffentlichen, unbeschränkten Zugriff auf das Internet durch Bereitstellung der Internetleitung von Freiwilligen.

Vor einigen Wochen hatte ich das Glück mir das Rechenzentrum der TU Dresden (ZIH) anschauen zu können. Hier sorgt man neben dem normalen IT-Betrieb einer Universität wie Internetanbindung, Mailserver etc. auch für die Berechnung besonders rechenintensiver Aufgaben mithilfe von High-Performance Computing (HPC) und mehrerer Hochleistungsrechner.

Erstaunlich klein ist der Teil des Gebäudes, indem sich der alte Teil des Rechenzentrums noch befinden. Denn derzeit entsteht neben der Fakultät für Informatik ein eigener Neubau für die Rechner. Auf zwei Etagen verteilen sich die Racks. Oben der abgeschaltete SGI Altix der gerade Entsorgt wird (wenn ich mich richtig erinnere). Der Rechner ist aus dem Jahre 2006 und umfasst 32 Racks. Stand November 2006 war dieser Platz 49 in der TOP500 Liste.

Dieser 32 Rack Rechner mit 13,1 TFlop/s Leistung wird ausrangiert, da sich der Betrieb nicht mehr lohnt. Zum Vergleich: der SGI UV 2000 hat in einem Rack 10,6 TFlop/s Leistung und spart Strom im Vergleich zum SGI Altix im Wert von 500.000€. Die Anschaffung rentiert sich also auch recht schnell.

Das gesamte Rechenzentrum zieht bei Volllast ca. ein Megawatt, dabei hat man allerdings immer Wert auf effiziente Stromnutzung gelegt.
Bei diesem einem Megawatt ist es wohl schon mehrfach vorgekommen, dass aufgrund des verdampfenden Wassers der Wasserkühlung besorgte Anwohner die Feuerwehr alarmierten, weil eine wohl 50m hohe Wolke dem Dach entsprang.

Die Ausfallsicherheit wird nicht für alle Systeme gewährleistet. So sind die HPCs nicht abgesichert, nur deren Storagesysteme haben Strom um noch Schreibvorgänge zu beenden. Dagegen ist kritische Infrastruktur wie Mailserver (fünf Mailserver werden derzeit eingesetzt) bzw. Server deren Ausfall viele Nutzer sofort bemerken, abgesichert. Das geschieht nicht über USVs sondern große rotierende Gewichte (die habe ich leider nicht gesehen), die bei einem Stromausfall die Zeit überbrücken bis der Dieselgenerator angesprungen ist (10-15 Sekunden). Diesel für mehrere Tage wird vorgehalten (das ist allerdings Standard für größere Rechenzentren).

Interessant war noch zu erfahren, dass eine Anschaltordnung sehr wichtig ist. Der wichtigste Dienst, der unbedingt laufen muss, bevor alles andere läuft ist der Zeitserver. Sonst gibt es im Netzwerk keinen Zeitkonsens und beispielsweise die HPC-Knoten schreiben ihre Ergebnisse mit Zeitstempel auf, ergeben aber verglichen mit dem Ergebnis anderer Knoten keinen Sinn mehr.
Einen rein physischen Grund gibt es natürlich auch: von 0 auf ein Megawatt durch Umlegen eines Schalters, da würde der Stromversorger Drewag zu recht schimpfen.

Auch das Monitoring ist anders dimensioniert, als man zunächst denken würde. Von den mehreren tausend CPUs wird wohl sekündlich die Temperatur etc. ausgelesen. Das sind aber nicht die einzigen Werte die auflaufen. So hat man einen Datenstrom mit einer Frequenz von einigen Kiloherz. Diese müssen extra mittels Glasfaserleitungen in eine Datenbank geschrieben werden.

Alles in allem war es interessant zu sehen, dass die Methoden zu kleinen Rechenzentren gar nicht so sehr abweichen, was bedeutet, Parallelisierung funktioniert. Dennoch sind es natürlich andere Maßstäbe und die sind für den einen mehr, für den anderen weniger beeindruckend.

Mein Eindruck der Gläsernen Manufaktur von VW

Von Mainboarder am 5.03.2015 veröffentlicht
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Vor wenigen Wochen war ich in der Gläsernen Manufaktur von VW in Dresden. Die Führung möchte ich hier einmal Revue passieren lassen.

Eine Dame erklärte uns an einem Modell wie das Werk aufgebaut ist und lud uns danach ein mit zur Orangerie zu kommen. In der VW Orangerie stehen keine Zitrusfrüchte, der Gebäudeteil heißt so, weil dort auch hin und wieder Veranstaltungen stattfinden.

Den Begriff fande ich an dieser Stelle schon recht dick aufgetragen.

Auf die Frage, ob die Architektur denn bewusst etwas mit der von Porsche zu tun hat, wusste die Dame keine Antwort. Allerdings würde es mich stark wundern, wenn die Manufaktur und das zum Beispiel das Porsche-Werk in Leipzig architektonisch nichts miteinander zu tun haben sollten. Zumal zum VW Konzern ja Porsche gehört.

Als nächstes ging es dann mit der Bitte keine Fotos zu machen in die Produktionshalle.

Hier war ich in sofern erstaunt, als dass der Boden komplett aus Parkett ist. Auch das Schuppenband, auf dem die Autos während der Endmontage zu einem Großteil gefertigt werden. Parkett ist der vermutlich unpraktischste Boden, den man in einem Werk haben kann. Da man bis in den Keller sehen konnte, sah ich auch, das dort normaler Betonboden ist. Das ist schon praktischer. Ich gehe also davon aus, dass der Bodenbelag nur ein angenehmeres Flair mit sich bringen soll.

Erstaunt war ich auch über die standardisierten Prozesse. Zuerst dreht die Karosserie eine Runde auf dem Schuppenband, um danach von einer Schwebebahn aufgenommen zu werden. Ein automatischen Transportsystem bringt zu jedem Arbeitsschritt ein Regal mit den benötigten Teilen zum Einbau. Besonders aufwändige Schritte machen Roboter: das Einstanzen der Nummer in die Karosserie, das Zusammenschrauben von Fahrwerk und Karossiere und das Einkleben der Scheiben.

Da wurde mir klar das letztlich nahezu alle Arbeitsplätze in der Fertigung nur da sind, um den Besuchern diese Zeigen zu können. Ein Armaturenbrett, der Kabelbaum, die Sitze… alles ließe sich auch zu einem Großteil durch Roboter einbauen.

Daher wirkte die Gläserne Manufaktur auf mich zwar schon beeindruckend, aber durchaus mit einem merkwürdigen Beigeschmack: das Werk an sich ist hauptsächlich auf Imagepflege ausgelegt und nicht zum wirklich produktiven Fertigen von Fahrzeugen. Zumal dieses Werk ja nur den Phaeton herstellt (mittlerweile ist aber auch Bentley Flying Spur zu Gast). Da frage ich mich, ob man mit dem investierten Geld nicht sinnvollere Dinge hätte anfangen können.

Die besten Tweets im Februar

Von Mainboarder am 1.03.2015 veröffentlicht
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